Umgang mit Trauer in Pandemiezeiten

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Trauer kann zu jeder Zeit schwierig sein. Aber die Pandemie macht Trauer noch komplizierter für uns. Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote und Reduktion sozialer Kontakte, sowie das Wegfallen von Aktivitäten oder Hobbys können den Umgang mit der eigenen Trauer zusätzlich erschweren. Auch professionelle Hilfsangebote für Trauernde finden nur eingeschränkt oder gar nicht statt, sodass es zu Unsicherheiten kommen kann, ob das, was man gerade erlebt, im Rahmen des erwartbaren liegt und „normal“ ist. Dabei ist es wichtig zu wissen: es gibt nicht den einen Weg mit Trauer umzugehen. Jeder Mensch ist individuell und genauso individuell ist auch das Trauern.

1. Isolieren Sie sich nicht von anderen!

Versuchen Sie, sich nicht zurückzuziehen oder sich emotional abzuschotten. Auch wenn andere Menschen Sie aufgrund von Kontaktbeschränkungen vielleicht nicht besuchen können, können Sie Beileidsbekundungen und Unterstützung auf anderen Wegen entgegennehmen – beispielsweise über Telefonanrufe, E-Mails oder soziale Medien.

 

2. Bleiben Sie in Kontakt!

Suchen Sie Kontakt zu Menschen (Freund:innen, Familie, Bekannte), die Ihnen guttun. Nutzen Sie dazu soziale Medien, schreiben Sie SMS oder nehmen Sie Sprachnachrichten auf. Telefonieren Sie, nutzen Sie Videoanrufe. Wenn es passt, vereinbaren Sie am Tag feste Zeiten für Gespräche.

 

3. Zeigen Sie Gefühle!

Sie dürfen Ihre Trauer so ausdrücken, wie es sich für Sie richtig anfühlt. Weinen kann eine Strategie des Körpers sein, sich selbst zu beruhigen und Stress zu reduzieren. Es ist aber genauso in Ordnung, nicht zu weinen, wenn Sie sich nicht danach fühlen. Richtig ist, was Ihnen guttut. Alle Gefühle und Erfahrungen sind berechtigt.

 

4. Sorgen Sie für sich!

Kümmern Sie sich um sich selbst und um Ihre Gesundheit. Denken Sie an regelmäßige und gesunde Ernährung, ausreichend Trinken, Schlaf und Bewegung. Das hilft Ihnen, Energie zu tanken und sich besser zu fühlen. Ihr Körper hat Bedürfnisse und Trauern ist harte Arbeit. Wenn Sie selbst nicht die Kraft aufbringen können, um für sich und die Bedürfnisse Ihres Körpers zu sorgen, bitten Sie jemand anderes, Sie darin zu unterstützen.

 

5. Routine kann hilfreich sein!

Achten Sie auf regelmäßige Essenszeiten und Zeiten zum Zubettgehen und Aufstehen. Versuchen Sie, Ihre normale Routine so weit wie möglich beizubehalten.

 

6. Suchen Sie sich Unterstützung!

Einen geliebten, nahestehenden Menschen zu verlieren und mit der eigenen Trauer umzugehen, kann sehr schwierig sein. Insbesondere in Pandemiezeiten. Damit müssen Sie nicht alleine umgehen! Holen Sie sich Unterstützung:

  • Freund:innen & Familie: es kann hilfreich sein, über die eigenen Gefühle zu sprechen. Nahestehende Personen könnten ähnliche Gefühle haben. Oder es kann hilfreich sein mit Menschen zu sprechen, die nicht in derselben Situation sind, beziehungsweise die verstorbene Person nicht gut kannten. Sagen Sie, was Sie von Ihren Freund:innen brauchen. Viele Menschen wollen helfen, aber wissen nicht wie sie hilfreich sein können.
  • Professionelle Unterstützung: Trauerangebote (Online & Telefon), Trauer Selbsthilfegruppen

Diese Tipps sind Vorschläge, die für den einen Menschen besser funktionieren, als für den anderen. Nur weil eine Sache einer Person in ihrem Umgang mit Trauer hilft, muss es nicht allen anderen genauso helfen.

Zeiten der Trauer und des Abschieds sind schwierige Zeiten! Versuchen Sie, Kräfte zu sparen. Passen Sie Ihren Alltag an die Verlustsituation an, indem Sie sich nicht überfordern. Entdecken Sie Ihren Weg, um mit dem Verlust auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten umzugehen. Überlegen Sie sich vielleicht auch, was Ihnen in anderen Krisen geholfen hat. Bleiben Sie wohlwollend und freundlich sich selbst gegenüber und setzen Sie sich nicht unnötig unter Druck!

Zusammenstellung unter Verwendung von Anregungen durch Mitarbeitende aus dem palliativmedizinischen Bereich, sowie in Anlehnung an die Informationen der Irish Hospice Foundation.

Kinder und der Umgang mit Trauer in Pandemiezeiten

Es ist ganz natürlich, dass man Kinder schützen und abschirmen möchte, wenn jemand stirbt. Sie sollten jedoch mit den Kindern sprechen, damit sie sich sicherer fühlen. Am besten ist es, Kindern ehrliche, altersgerechte Informationen über den Tod zu geben. Es ist schmerzhaft, ein Kind so aufgewühlt zu sehen, aber Kinder kommen besser mit traurigen Nachrichten zurecht, wenn man ihnen die Wahrheit sagt. Wie man Kindern hilft, Tod und Trauer zu verstehen, hängt vom Alter und von der Entwicklungsstufe des Kindes ab.

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Quellen:

Für die Inhalte dieser Webseite wurden die im Folgenden aufgeführten Informationsquellen herangezogen. Diese Quellen sind nicht als weiterführende Literatur für betroffene Angehörige gedacht. Es handelt sich um Fachliteratur, die dem Nachweis der wissenschaftlichen Absicherung der Inhalte dient.

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Diolaiuti, F., Marazziti, D., Beatino, M. F., Mucci, F. & Pozza, A. (2021). Impact and consequences of COVID-19 pandemic on complicated grief and persistent complex bereavement disorder. Psychiatry Research300, 113916. https://doi.org/10.1016/j.psychres.2021.113916

Mayland, C. R., Hughes, R., Lane, S., McGlinchey, T., Donnellan, W., Bennett, K., Hanna, J., Rapa, E., Dalton, L. & Mason, S. R. (2021). Are public health measures and individualised care compatible in the face of a pandemic? A national observational study of bereaved relatives’ experiences during the COVID-19 pandemic. Palliative Medicine35(8), 1480–1491. https://doi.org/10.1177/02692163211019885

Tay, D. L., Thompson, C., Jones, M., Gettens, C., Cloyes, K. G., Reblin, M., Thomas Hebdon, M. C., Beck, A. C., Mooney, K. & Ellington, L. (2021). “I Feel All Alone Out Here”. Journal of Hospice & Palliative Nursing, Publish Ahead of Print. https://doi.org/10.1097/njh.0000000000000763

Ein Angebot von PallPan, einem Projekt des Nationalen Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin

 

Weitere Informationen unter www.pallpan.de