Andere in ihrer Trauer in Pandemiezeiten unterstützen

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Trauern ist auch unter normalen Umständen eine Herausforderung. Aber in Pandemiezeiten kann diese Situation noch schwieriger sein für die Hinterbliebenen. Unabhängig davon, wann ein Todesfall eintritt, und ob COVID-19 die Todesursache ist oder nicht, steht die Welt für die Hinterbliebenen still. Aufgrund von sozialer Isolation und weiteren Einschränkungen konnten Betroffene möglicherweise nicht ihre Angehörigen besuchen, als diese krank waren oder im Sterben lagen. Sie konnten vielleicht nicht bei der Bestattung dabei sein und auf traditionelle Weise Abschied nehmen. Auch körperlicher Trost und persönliche Unterstützung durch Familie und Freund:innen waren eingeschränkt.

Tipps für begleitende Menschen: Wie Sie in besonderen Zeiten Andere in ihrer Trauer unterstützen können

Wenn Sie einen Hinterbliebenen unterstützen wollen, könnten die folgenden drei A‘s hilfreich sein.

Anerkennung

Es ist sehr wichtig, das Geschehene, d.h. den Tod der betroffenen Person, anzuerkennen und den Hinterbliebenen Ihr Beileid auszusprechen. Dies ist besonders wertvoll, wenn dies auf einfühlsame Weise geschieht. Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken über die richtigen Worte – seien Sie einfach aufrichtig und seien Sie Sie selbst. Versuchen Sie, sich vorzustellen, was Sie gerne hören würden, wenn Sie eine geliebte Person verloren hätten.
Wenn Sie nicht persönlich mit den Hinterbliebenen sprechen können, schreiben Sie eine Nachricht, schicken Sie eine SMS/E-Mail oder rufen Sie an. Es ist wichtig, aktiv zu handeln, insbesondere in außergewöhnlichen Zeiten – wie während einer Pandemie – und die Initiative zu ergreifen, um der trauernden Person die Hand zu reichen.

 

Akzeptanz

Wenn eine uns nahestehende Person stirbt, können wir eine Reihe von Emotionen empfinden, z.B. Trauer, Wut, Unglauben, Betäubung, Verzweiflung. Trauer ist zu jeder Zeit schwierig. Aber die Pandemie macht Trauer noch komplizierter. Einschränkungen im Kontakt und sozialem Umfeld können die Gefühle Hinterbliebener noch verstärken. Es ist wichtig, diese Gefühle als normalen Teil der Trauer zu akzeptieren. Bestärken Sie die Hinterbliebenen darin, dass alle Gefühle in einer Trauersituation vollkommen in Ordnung und angemessen sind.

 

Angebot

Eines der hilfreichsten Dinge für jemanden, der einen Trauerfall erlitten hat, ist eine gute Unterstützung durch Angehörige und Bekannte. Dabei spielen Verständnis und Mitgefühl eine große Rolle. Es geht um eine menschliche Reaktion auf eine menschliche Situation. Machen Sie sich aber keine zu großen Gedanken darüber, wie Sie das Richtige sagen oder tun können. Seien Sie einfach Sie selbst, seien Sie fürsorglich und mitfühlend. Machen Sie Angebote und seien Sie da. Bieten Sie den Hinterbliebenen beispielsweise an, für sie einkaufen zu gehen oder fragen Sie aktiv, was Sie gerade tun können. Aber: geben Sie der trauernden Person auch Raum! Wenn sie mal keine Zeit mit anderen Menschen verbringen möchte oder nicht auf Nachrichten antworten möchte, ist das auch in Ordnung.

 

 

Wege, anderen Menschen mit ihrer Trauer helfen zu können

1. Um einer trauernden bekannten oder befreundeten Person zu helfen, überlegen Sie, wie Sie Ihr Beileid ausdrücken können – schreiben Sie eine Karte, schicken Sie eine SMS oder rufen Sie an. Sie können Fotos austauschen oder Essen und kleine Geschenke an die Tür der Person legen, um Trost zu spenden.

 

2. Gehen Sie auf die Betroffenen zu, stehen Sie ihnen nicht nur kurzfristig, sondern auch in den kommenden Wochen und Monaten zur Verfügung. Trauer ist ein langer Prozess, der Betroffene nicht nur über Tage, sondern auch über Wochen, Monate oder auch Jahre hinweg begleitet.

 

3. Fragen Sie die Person, was hilfreich sein könnte. Hören Sie aufmerksam zu. Seien Sie da, erteilen Sie keine Ratschläge.

 

4. Überlegen Sie, welche praktische Unterstützung die Person benötigen könnte. Bieten Sie praktische Hilfe an, z. B. beim Einkaufen. Zeigen Sie der Person, dass sie nicht alleine ist.

 

5. Bieten Sie technische Hilfe an, z. B. bei der Einrichtung von Videoanrufen, WhatsApp oder anderen Möglichkeiten, um in Kontakt zu bleiben.

 

6. Lassen Sie der trauernden Person ihren Freiraum! Schuldgefühle, weil man gerade keine anderen Menschen treffen oder nicht auf Nachrichten antworten möchte, können eine zusätzliche Belastung für Trauernde darstellen. Hier könnten Sie z.B. anbieten, dass sich die Person jederzeit bei Ihnen melden kann, wenn sie soweit ist oder vereinbaren Sie, dass Sie sich weiterhin in regelmäßigen Abständen nach dem Befinden erkundigen, ohne jedoch eine Antwort zu erwarten, wenn der Person gerade nicht danach ist.

 

7. Helfen sie der trauernden Person, sich weitere Unterstützung zu holen! Einen anderen Menschen in seiner Trauer zu unterstützen kann auch für Sie schwierig sein. Überlegen Sie, ob es weitere Unterstützungsmöglichkeiten gibt. Wenn die trauernde Person dazu bereit und offen dafür ist, können Sie mit ihr gemeinsam nach möglichen Unterstützungsangeboten suchen (z.B. Trauerbegleitung).

Zusammenstellung unter Verwendung von Anregungen durch Mitarbeitende aus dem palliativmedizinischen Bereich, sowie in Anlehnung an die Informationen der Irish Hospice Foundation.

Selbstfürsorge in besonderen Zeiten

In Zeiten der Trauer und in Pandemiezeiten ist es besonders wichtig, dass Sie sich auch um sich selbst und um Ihre körperliche und emotionale Gesundheit kümmern.

Mehr erfahren

Quellen:

Für die Inhalte dieser Webseite wurden die im Folgenden aufgeführten Informationsquellen herangezogen. Diese Quellen sind nicht als weiterführende Literatur für betroffene Angehörige gedacht. Es handelt sich um Fachliteratur, die dem Nachweis der wissenschaftlichen Absicherung der Inhalte dient.

Breen, L. J. (2021). Harnessing social support for bereavement now and beyond the COVID-19 pandemic. Palliative Care and Social Practice15, 263235242098800. Zum Artikel

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Morris, S. E., Moment, A. & Thomas, J. D. (2020). Caring for Bereaved Family Members During the COVID-19 Pandemic: Before and After the Death of a Patient. Journal of Pain and Symptom Management60(2), e70–e74. Zum Artikel

Münch, U., Müller, H., Deffner, T., von Schmude, A., Kern, M., Kiepke-Ziemes, S. & Radbruch, L. (2020). Empfehlungen zur Unterstützung von belasteten, schwerstkranken, sterbenden und trauernden Menschen in der Corona-Pandemie aus palliativmedizinischer Perspektive. Der Schmerz34(4), 303–313. Zum Artikel

Pappas, S. (2021, Juni). Helping patients cope with COVID-19 grief. Monitor on Psychology52(4), Retrieved from https://www.apa.org/monitor

Ein Angebot von PallPan, einem Projekt des Nationalen Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin

 

Weitere Informationen unter www.pallpan.de